{"id":980,"date":"2024-08-15T09:00:00","date_gmt":"2024-08-15T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/?p=980"},"modified":"2024-08-15T09:00:00","modified_gmt":"2024-08-15T07:00:00","slug":"warum-sportwetten-kein-harmloses-hobby-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/2024\/08\/15\/warum-sportwetten-kein-harmloses-hobby-sind\/","title":{"rendered":"Warum Sportwetten kein harmloses Hobby sind"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-handler-einbetten wp-block-embed-handler-einbetten wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Warum Sportwetten kein harmloses Hobby sind \u2013 mit Nico Heymer I X Gr\u00fcnde I frontal\" width=\"1080\" height=\"608\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/qGtYlks2LF8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung in die Welt der Sportwetten<\/h2>\n\n\n\n<p>Mittwoch Abend, 21 Uhr, Champions League. Tor f\u00fcr dein Team, aber die F\u00fchrung wackelt. Deine Finger zittern, du gehst nerv\u00f6s in die App. Cash out ziehen, zu sp\u00e4t. Gegentor, verdammt. Jetzt erst recht noch mal was setzen. Du legst das Handy nicht mehr weg, bis der Abpfiff ert\u00f6nt. Willkommen in der Welt der Sportwetten. Sie sind \u00fcberall: in unseren Handys, St\u00e4dten und Stadien.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grund 1: Untersch\u00e4tztes Risiko<\/h2>\n\n\n\n<p>Mehr als eine Milliarde Euro wurden letztes Jahr in Deutschland verzockt. Jeder zweite Wettkunde zockt so, dass die Alarmglocken schrillen m\u00fcssten. Trotzdem haben anscheinend die wenigsten Bedenken, einen Schein zu tippen. Wie sind wir da hingekommen? Durch jahrelange Normalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist gar nicht lange her, da waren nicht-staatliche Sportwetten noch eine Schmuddelangelegenheit. Richtig legal sind sie erst seit 2020. Das k\u00f6nnte f\u00fcr die Anbieter noch Folgen haben. Der Bundesgerichtshof kl\u00e4rt derzeit, ob Anbieter verlorene Eins\u00e4tze aus unerlaubten Sportwetten ihren Kunden zur\u00fcckzahlen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Deutsche Sportwettenverband sch\u00e4tzt, dass sich die Wetteins\u00e4tze im Jahr 2023 auf rund 8 Milliarden Euro belaufen. Sportwetten geh\u00f6ren irgendwie zum Fu\u00dfball dazu, auch dank eines cleveren Marketings. Lange Zeit warben manche Anbieter mit Helden des deutschen Fu\u00dfballs, die sogar noch als Funktion\u00e4re und Spieler aktiv waren. Seit 2021 ist das verboten. Werbung an sich jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Egal ob Sky, ARD oder ZDF, auch rund um die \u00dcbertragungen geh\u00f6ren Sportwettanbieter mit ihrer Werbung dazu. Verbunden mit einem kleinen Warnhinweis. Sportwetten sollen aussehen wie Lifestyleprodukte, ein Hobby, wie alles M\u00f6gliche, au\u00dfer Gl\u00fccksspiel. Die Apps der Anbieter sind clean, die Ansprache freundlich. Hier ein Bonus, da ein Weihnachtsspecial. Und immer wieder das Versprechen: Du hast es raus. Du hast das Wissen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grund 2: Die Wettanbieter kennen ihre Kunden<\/h2>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sprechen Wettanbieter nicht offen \u00fcber ihre Vermarktungsstrategie. Doch anscheinend sind zwei Gruppen potenzieller Wettkunden besonders attraktiv. 2021 berichtet der Spiegel, wie die Tipico-Kunden angeblich intern analysiert wurden. Mehr als 50% hatten einen Elternteil, der nicht in Deutschland geboren ist. Ein relativ niedriges Bildungsniveau und eher geringes Einkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Gl\u00fccksspielforscher Tobias Heyer kommt das bekannt vor. Das sind dann auch nicht ganz zuf\u00e4llig die Risikogruppen, die \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig von problemen betroffen sind. Laut Spiegel zeigt die Analyse, dass Tipico unter Umst\u00e4nden von dieser Standortstrategie profitiert. Tipico distanziert sich jedoch von dieser Marktanalyse und schreibt uns, dass es sich um eine durch ein externes Beratungsunternehmen erstellte Marktanalyse handelt, die im Umfeld des Verkaufs von Tipico im Jahr 2016 entstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen wir uns mal an, wie Tipico seine Werbung aufzieht. Schummeriges Licht, martialische Ansprache. Viele Tipico-Clips sehen aus wie Gangsterrap-Videos. Die Protagonisten? Oft junge M\u00e4nner mit vermeintlichem Migrationshintergrund. Tipico distanziert sich auch hier. Eine gezielte Ansprache dieser Gruppen ist nicht Teil unseres Werbekonzepts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bittere Wahrheit: Menschen mit Migrationshintergrund sind laut Wissenschaft besonders gef\u00e4hrdet, in die Gl\u00fccksspielsucht abzudriften. Dann ist da noch eine weitere Zielgruppe: Leute, die selbst kicken, egal ob Amateur oder Profi. Ein Beispiel: Am 16. April 2023 spielt Nicolo Faioli von Juventus Turin gegen Sassuolo. Nach einer gegnerischen Ecke macht er einen Fehler. Eins zu null. Er wird sofort ausgewechselt und bricht in Tr\u00e4nen aus. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass Faioli spiels\u00fcchtig ist und ungeheure Schulden bei illegalen Wettanbietern hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grund 3: Schwache Regeln<\/h2>\n\n\n\n<p>Egal ob Profi oder Fan, eigentlich gibt es Regeln, Wettkunden vor dem Absturz zu sch\u00fctzen. Diese Regeln stehen im Gl\u00fccksspielstaatsvertrag. Da w\u00e4ren zum Beispiel Spielersperren und Einzahlungslimits. Spieler m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, die Rei\u00dfleine zu ziehen und sich selbst zu sperren. Mit einem Panikknopf f\u00fcr 24 Stunden oder \u00fcber ein zentrales Meldesystem f\u00fcr mindestens drei Monate.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Suchtexperten halten diese Selbstsperren jedoch f\u00fcr zahnlose Tiger, denn nur ein Bruchteil der Betroffenen nutzt sie. Sie reichen schlicht nicht aus. Dann w\u00e4ren da noch die Fremdsperren. Die Idee: Man sperrt Spieler, die online problematisch zocken, mit einem auf Algorithmen basierenden automatisierten System.<\/p>\n\n\n\n<p>Theoretisch ist diese automatisierte Fremdsperre eine gute Sache. In der Praxis gibt es allerdings ein Problem. Die Sperre liegt in der Hand der Anbieter, und die Zahl der Spieler, die tats\u00e4chlich gesperrt werden, ist gering. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Interessenskonflikte. Wenn ich die besten Kunden vom Spielbetrieb ausschlie\u00dfe, muss ich mit Umsatzeinbu\u00dfen rechnen, und dazu sind Gl\u00fccksspielanbieter in aller Regel nicht bereit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist mit dem Einzahlungslimit? Das liegt bei 1000 Euro im Monat. Mehr darf man nicht einzahlen. F\u00fcr viele eindeutig zu viel. Trotzdem konnte man in der Vergangenheit viel h\u00f6here Betr\u00e4ge einzahlen. Spiels\u00fcchtige klagen jetzt. Ein Urteil bekam ein Kunde recht, der innerhalb von zwei Jahren mehr als 137.000 Euro einzahlen und verzocken konnte. Bitter ist, dass der Kl\u00e4ger sein Geld, Stand heute, trotzdem nicht wiedersieht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grund 4: Die Branche ist ein m\u00e4chtiger Player<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Sportwettenbranche hat n\u00fctzliche Freunde. Einer der wichtigsten ist gleich ein ganzer Staat: Malta. Malta bietet neben Traumstr\u00e4nden auch niedrige Unternehmenssteuern und gilt als recht entspannt in Fragen der Finanzaufsicht. Hier haben die gro\u00dfen Player ihre Firmensitze. Und Co sind ein echter Wirtschaftsfaktor f\u00fcr Malta. Die Regierung tut offenbar einiges, damit sie sich wohlf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neueste Streich: die Bill 55. Mit diesem Gesetz sch\u00fctzt Malta seine Gl\u00fccksspielindustrie vor Gerichtsurteilen aus dem Ausland, auch aus Deutschland. Solange das Gesetz gilt, m\u00fcssen Tipico und Co die deutschen Urteile nicht umsetzen, und die Gesch\u00e4digten sitzen auf dem Trockenen. So offensichtlich wie in Malta geht es aber selten zu.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland fordern Fu\u00dfballfans sch\u00e4rfere Ma\u00dfnahmen gegen die Gl\u00fccksspielindustrie. Auf einem Banner bei Hertha BSC hei\u00dft es: &#8220;Stell dir vor, Hertha BSC verzichtet auf die schmutzige Sportwettenkohle.&#8221; Es passiert allerdings wenig. Die Wettanbieter tun einiges, um sich unverzichtbar zu machen. Ein ordentlicher Teil ihrer Einnahmen flie\u00dft direkt zur\u00fcck ins Fu\u00dfballbusiness. Tipico ist zum Beispiel Premiumpartner der Bundesliga und des FC Bayern.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum ein Klub, der nicht auf der Payroll der Industrie steht. In der vergangenen Saison waren es nur Union Berlin und RB Leipzig, die nicht mitkassierten. Auch der Staat verdient mit. 409 Millionen Euro Steuern hat die Branche 2023 in seine Kassen gesp\u00fclt. Diese Einnahmen sind zweckgebunden und gehen zum Beispiel in die F\u00f6rderung von Breitensport.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Menschen, die mal spiels\u00fcchtig waren oder sind, ist das jedoch kein Argument. Sie wollen mit dem Thema eigentlich gar nichts mehr zu tun haben. Wenn ich Fu\u00dfball zu Hause schaue und nur Sportwettenwerbung sehe, m\u00fcsste der DFB und die DFL das massig reduzieren. Betroffene, Wissenschaftler und Initiativen, ja, auch der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, wollen h\u00e4rtere Regeln bis hin zu einem absoluten Werbeverbot.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Sportwetten haben einen Hype, trotz allem. Die Euro 2024 wird ihnen wohl einen weiteren Push geben. Was ist deine Erfahrung mit Sportwetten? Schreib es uns in die Kommentare. Und wenn Du wissen willst, warum wir auch im Fu\u00dfball mehr \u00fcber Doping reden m\u00fcssen, dann check unser Video &#8220;Blackbox Doping&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung in die Welt der Sportwetten Mittwoch Abend, 21 Uhr, Champions League. Tor f\u00fcr dein Team, aber die F\u00fchrung wackelt. Deine Finger zittern, du gehst nerv\u00f6s in die App. Cash out ziehen, zu sp\u00e4t. Gegentor, verdammt. Jetzt erst recht noch mal was setzen. Du legst das Handy nicht mehr weg, bis der Abpfiff ert\u00f6nt. Willkommen in der Welt der Sportwetten. Sie sind \u00fcberall: in unseren Handys, St\u00e4dten und Stadien. Grund 1: Untersch\u00e4tztes Risiko Mehr als eine Milliarde Euro wurden letztes Jahr in Deutschland verzockt. Jeder zweite Wettkunde zockt so, dass die Alarmglocken schrillen m\u00fcssten. 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