{"id":5958,"date":"2025-12-29T08:02:07","date_gmt":"2025-12-29T07:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/?p=5958"},"modified":"2025-12-29T08:02:13","modified_gmt":"2025-12-29T07:02:13","slug":"kontaktgebuehr-beim-arztbesuch-ein-weiterer-schritt-weg-vom-sozialstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/2025\/12\/29\/kontaktgebuehr-beim-arztbesuch-ein-weiterer-schritt-weg-vom-sozialstaat\/","title":{"rendered":"Kontaktgeb\u00fchr beim Arztbesuch: Ein weiterer Schritt weg vom Sozialstaat"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn der Chef der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, \u00f6ffentlich fordert, dass Patientinnen und Patienten k\u00fcnftig <strong>\u201edrei oder vier Euro\u201c pro Arztbesuch<\/strong> zahlen sollen, klingt das zun\u00e4chst nach einer kleinen Summe. Ein symbolischer Beitrag, angeblich notwendig, um die Krankenkassen zu entlasten. Doch hinter dieser Forderung steckt mehr als ein paar Euro \u2013 sie steht f\u00fcr eine politische Weichenstellung, die das deutsche Gesundheitssystem grundlegend ver\u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/praxisgebuehr-kassenaerztliche-vereinigung-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/praxisgebuehr-kassenaerztliche-vereinigung-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein System am Limit \u2013 aber auf dem R\u00fccken der Falschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ja, die gesetzlichen Krankenkassen stehen finanziell unter Druck. Ja, die Kosten steigen. Aber die Frage ist: <strong>Wer soll diese Last tragen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon heute steuern wir bei den Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen auf die <strong>50\u2011Prozent\u2011Marke des Bruttolohns<\/strong> zu. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen also bereits enorme Summen in das System ein \u2013 Monat f\u00fcr Monat, ein Leben lang. Wenn dann zus\u00e4tzlich bei jedem Arztbesuch eine Geb\u00fchr f\u00e4llig wird, ist das nichts anderes als eine <strong>verdeckte Beitragserh\u00f6hung<\/strong>, nur eben ohne die politische Ehrlichkeit, sie so zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontaktgeb\u00fchr = weniger Arztbesuche = h\u00f6here Folgekosten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bef\u00fcrworter solcher Geb\u00fchren argumentieren gern, sie w\u00fcrden \u201eunn\u00f6tige Arztbesuche\u201c verhindern. Doch die Realit\u00e4t sieht anders aus:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Menschen mit geringem Einkommen gehen <strong>seltener zur Vorsorge<\/strong>, wenn Geb\u00fchren anfallen.<\/li>\n\n\n\n<li>Krankheiten werden dadurch <strong>sp\u00e4ter erkannt<\/strong>, oft erst, wenn sie bereits komplizierter und teurer zu behandeln sind.<\/li>\n\n\n\n<li>Pr\u00e4vention wird geschw\u00e4cht \u2013 ausgerechnet der Bereich, der langfristig Kosten spart und Leben rettet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Eine Kontaktgeb\u00fchr mag kurzfristig ein paar Millionen in die Kassen sp\u00fclen. Langfristig aber f\u00fchrt sie zu <strong>h\u00f6heren Ausgaben<\/strong>, mehr Leid und im schlimmsten Fall zu vermeidbaren Todesf\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein R\u00fcckschritt in Richtung Zwei\u2011Klassen\u2011Medizin<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Idee, Patientinnen und Patienten st\u00e4rker zur Kasse zu bitten, ist kein isolierter Vorschlag. Auch Krankenh\u00e4user fordern inzwischen h\u00f6here Eigenbeteiligungen. Das Muster ist klar:<br \/><strong>Die finanzielle Verantwortung wird zunehmend vom Solidarsystem auf den Einzelnen verschoben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine Abkehr vom Grundgedanken des Sozialstaats:<br \/><em>Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abh\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Menschen sich \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob sie sich einen Arztbesuch \u201eleisten k\u00f6nnen\u201c, dann haben wir die Schwelle zur Zwei\u2011Klassen\u2011Medizin l\u00e4ngst \u00fcberschritten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wer wirklich entlastet werden m\u00fcsste<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Statt Patientinnen und Patienten zu belasten, m\u00fcsste die Politik sich fragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Warum werden milliardenschwere Steuerzusch\u00fcsse zweckentfremdet?<\/li>\n\n\n\n<li>Warum werden strukturelle Probleme \u2013 B\u00fcrokratie, Fehlanreize, Unterfinanzierung \u2013 nicht angegangen?<\/li>\n\n\n\n<li>Warum profitieren manche Akteure im System \u00fcberproportional, w\u00e4hrend die Beitragszahler immer mehr zahlen sollen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Eine Kontaktgeb\u00fchr l\u00f6st keines dieser Probleme. Sie ist ein <strong>Symptom politischer Mutlosigkeit<\/strong>, nicht die L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit: Gesundheit ist keine Ware<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein solidarisches Gesundheitssystem lebt davon, dass alle einzahlen \u2013 und alle Zugang haben. Eine Kontaktgeb\u00fchr mag klein wirken, aber sie ist ein gef\u00e4hrlicher Dammbruch. Wenn wir anfangen, Arztbesuche zu bepreisen, \u00f6ffnen wir die T\u00fcr f\u00fcr weitere Belastungen, weitere H\u00fcrden und weitere Ungleichheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesundheit ist ein Grundrecht.<br \/>Und ein Sozialstaat, der diesen Namen verdient, darf nicht zulassen, dass Menschen aus Kostengr\u00fcnden auf medizinische Versorgung verzichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Chef der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, \u00f6ffentlich fordert, dass Patientinnen und Patienten k\u00fcnftig \u201edrei oder vier Euro\u201c pro Arztbesuch zahlen sollen, klingt das zun\u00e4chst nach einer kleinen Summe. Ein symbolischer Beitrag, angeblich notwendig, um die Krankenkassen zu entlasten. 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