{"id":4973,"date":"2025-06-27T10:30:45","date_gmt":"2025-06-27T08:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/?p=4973"},"modified":"2025-06-27T09:01:48","modified_gmt":"2025-06-27T07:01:48","slug":"zertifiziert-aber-nicht-fair-die-schattenseite-des-kolumbianischen-kaffees","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/2025\/06\/27\/zertifiziert-aber-nicht-fair-die-schattenseite-des-kolumbianischen-kaffees\/","title":{"rendered":"Zertifiziert, aber nicht fair? Die Schattenseite des kolumbianischen Kaffees"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaffee mit Fairtrade- oder Rainforest-Alliance-Siegel steht f\u00fcr viele Konsument*innen f\u00fcr Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Transparenz. Doch eine aktuelle Recherche von *Report Mainz* und der brasilianischen NGO <em>Rep\u00f3rter Brasil<\/em> ersch\u00fcttert dieses Vertrauen: Auf mehreren zertifizierten Kaffeeplantagen in Kolumbien herrschen offenbar ausbeuterische Arbeitsbedingungen \u2013 trotz ethischer Siegel und internationaler Standards.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Harte Arbeit, kaum Rechte<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Recherche deckt auf, dass auf vier untersuchten Farmen in den Regionen Antioquia und Huila \u2013 darunter Finca Los Naranjos, La Siberia, San Fernando und La Arboleda \u2013 gravierende Missst\u00e4nde herrschen. Viele Arbeiter<em>innen, darunter zahlreiche Migrant<\/em>innen aus Venezuela, berichten von extrem langen Arbeitstagen, fehlenden Arbeitsvertr\u00e4gen und L\u00f6hnen unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Auf der Farm San Fernando etwa verdienen Pfl\u00fccker umgerechnet weniger als 7\u202f\u20ac pro Tag \u2013 bei einem kolumbianischen Mindestlohn von rund 300\u202f\u20ac im Monat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leben unter prek\u00e4ren Bedingungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch die Unterbringung der Arbeiter*innen ist erschreckend: \u00dcberf\u00fcllte Schlafr\u00e4ume, schlechte Bel\u00fcftung, keine Privatsph\u00e4re. Auf der Finca Los Naranjos h\u00e4ngen Arbeiter Kaffees\u00e4cke als Vorh\u00e4nge zwischen den Betten auf, um sich etwas R\u00fcckzug zu schaffen. Sanit\u00e4re Anlagen sind oft improvisiert, Duschen fehlen oder bestehen nur aus kaltem Wasser aus einem Rohr.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zertifizierungen unter Druck<\/h3>\n\n\n\n<p>Besonders brisant: Einige der betroffenen Farmen sind Teil von Kooperativen, die Fairtrade- oder Rainforest-Alliance-zertifiziert sind. Auch Siegel wie 4C oder C.A.F.E. Practices (Starbucks) wurden auf den Eingangsschildern dokumentiert. Die Zertifizierer k\u00fcndigten auf Nachfrage \u00dcberpr\u00fcfungen an \u2013 doch das wirft die Frage auf, wie effektiv die bisherigen Kontrollen waren und ob die Siegel tats\u00e4chlich halten, was sie versprechen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein strukturelles Problem<\/h3>\n\n\n\n<p>Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten rund 85\u202f% der Besch\u00e4ftigten im kolumbianischen Kaffeesektor informell \u2013 ohne Vertrag, Versicherung oder soziale Absicherung. Die Projektkoordinatorin der ILO in Kolumbien, Paola Campuzano, bringt es auf den Punkt: \u201eUnser Kaffeesektor hat eine fast 300-j\u00e4hrige Geschichte, und wir haben es immer noch nicht geschafft, faire Arbeitsbedingungen f\u00fcr Kaffeeproduzenten und Pfl\u00fccker zu schaffen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verantwortung in der Lieferkette<\/h3>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe H\u00e4ndler wie Starbucks, Tchibo, Nestl\u00e9 oder Aldi betonen, derzeit keinen Kaffee von den betroffenen Farmen zu beziehen. Doch durch komplexe Lieferketten ist oft nicht nachvollziehbar, woher der Rohkaffee tats\u00e4chlich stammt. Die Logos auf den Plantagen sind teils veraltet, fr\u00fchere Zertifizierungen ausgelaufen \u2013 Transparenz sieht anders aus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Weckruf f\u00fcr Konsum und Kontrolle<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Enth\u00fcllungen zeigen: Zertifizierungen allein reichen nicht aus. Es braucht unabh\u00e4ngige, unangek\u00fcndigte Kontrollen, klare Sanktionen bei Verst\u00f6\u00dfen und gesetzlich verankerte Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette. Auch Konsument*innen sind gefragt, kritisch zu hinterfragen, was hinter dem Siegel steckt \u2013 und ob der Preis im Regal wirklich den wahren Wert der Arbeit widerspiegelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaffee mit Fairtrade- oder Rainforest-Alliance-Siegel steht f\u00fcr viele Konsument*innen f\u00fcr Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Transparenz. Doch eine aktuelle Recherche von *Report Mainz* und der brasilianischen NGO Rep\u00f3rter Brasil ersch\u00fcttert dieses Vertrauen: Auf mehreren zertifizierten Kaffeeplantagen in Kolumbien herrschen offenbar ausbeuterische Arbeitsbedingungen \u2013 trotz ethischer Siegel und internationaler Standards. Harte Arbeit, kaum Rechte Die Recherche deckt auf, dass auf vier untersuchten Farmen in den Regionen Antioquia und Huila \u2013 darunter Finca Los Naranjos, La Siberia, San Fernando und La Arboleda \u2013 gravierende Missst\u00e4nde herrschen. Viele Arbeiterinnen, darunter zahlreiche Migrantinnen aus Venezuela, berichten von extrem langen Arbeitstagen, fehlenden Arbeitsvertr\u00e4gen und L\u00f6hnen unterhalb des<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4972,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[873,9],"tags":[],"class_list":["post-4973","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumbien","category-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4973"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4974,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4973\/revisions\/4974"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agencyx.bplaced.net\/mhneo22\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}