Während die Welt auf geopolitische Großereignisse blickt, droht in Ostafrika eine stille Katastrophe: Im Südsudan eskaliert erneut die Gewalt. Seit Ende Dezember 2025 haben bewaffnete Auseinandersetzungen im Bundesstaat Jonglei und angrenzenden Regionen über 280.000 Menschen in die Flucht getrieben. Die humanitäre Lage ist dramatisch – und sie verschärft eine ohnehin bestehende Hungerkrise, die bereits mehr als eine Million Menschen betrifft.
Ein Land im Dauerkrisenmodus
Der Südsudan ist seit seiner Unabhängigkeit 2011 von Konflikten geprägt. Der Bürgerkrieg zwischen Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Riek Machar hat das Land tief gespalten. Zwar wurde 2018 ein Friedensabkommen geschlossen, doch es wurde mehrfach gebrochen. Die aktuelle Eskalation zeigt: Der Frieden ist brüchig, die Gewalt allgegenwärtig.
Die jüngsten Kämpfe konzentrieren sich auf Jonglei und das benachbarte Gebiet Walgak. Dort wurden Gesundheitseinrichtungen geplündert, Hilfsorganisationen zur Flucht gezwungen und lebensrettende Programme ausgesetzt. Besonders betroffen sind Frauen und Kinder – sie machen rund 75 % der Vertriebenen aus.
Hunger als Waffe und Folge
Die Gewalt trifft eine Region, die bereits am Rand der Hungersnot stand. Laut dem IPC-Bericht (Integrated Food Security Phase Classification) leiden über 1,3 Millionen Menschen unter extremem Nahrungsmittelmangel. In einigen Bezirken – etwa Fangak – sind über 11.000 Menschen akut vom Verhungern bedroht.
Die Gründe sind vielfältig:
- Märkte und Landwirtschaft wurden zerstört
- Nahrungsmittelverteilungsstellen mussten schließen
- Zugang zu sauberem Wasser ist vielerorts nicht mehr gegeben
- Cholera breitet sich aus – allein im Januar wurden über 400 Fälle gemeldet
In manchen Regionen sind 100 % der Bevölkerung auf verunreinigtes Wasser angewiesen. Die hygienischen Bedingungen in überfüllten Notunterkünften begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten.
Frauen und Mädchen besonders gefährdet
Neben Hunger und Krankheit droht eine weitere Gefahr: geschlechtsspezifische Gewalt. Die Vertreibung, der Verlust von Schutzstrukturen und die Enge in Notunterkünften erhöhen das Risiko für sexualisierte Gewalt massiv. Bereits vor der Eskalation wurden zahlreiche Fälle von Entführungen und Missbrauch gemeldet.
Hilfsorganisationen fordern deshalb nicht nur Nahrung und medizinische Hilfe, sondern auch Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen.
Was jetzt nötig ist
Die UN und NGOs wie CARE und Oxfam fordern:
- Sofortige Einstellung der Kämpfe
- Schutz der Zivilbevölkerung
- Ungehinderter Zugang für humanitäre Helfer
- Rasche und flexible Finanzierung von Hilfsprogrammen
Ohne diese Maßnahmen droht eine humanitäre Katastrophe, die weit über die aktuelle Krise hinausgeht. Denn Hunger ist nicht nur Folge, sondern auch Treiber von Instabilität.
Warum das auch uns betrifft
Die Krise im Südsudan mag geografisch weit entfernt sein – doch sie ist Teil eines globalen Systemsversagens. Klimawandel, geopolitische Machtspiele und ungleiche Ressourcenverteilung tragen dazu bei, dass fragile Staaten wie der Südsudan immer wieder in den Abgrund stürzen.
Europa und Deutschland tragen Mitverantwortung: durch Waffenexporte, durch politische Prioritäten, durch wirtschaftliche Interessen. Und auch wir als Einzelne sind gefragt – etwa durch Spenden, politische Aufmerksamkeit oder die Unterstützung von Organisationen, die vor Ort helfen.
Fazit: Eine Krise, die nicht ignoriert werden darf
Der Südsudan steht am Rand einer Hungerkatastrophe. Die Eskalation der Gewalt verschärft die Lage dramatisch. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht, Millionen hungern, und die internationale Hilfe droht zu versagen, wenn der Zugang nicht gesichert wird.
Diese Krise ist kein Randthema. Sie ist ein Spiegel globaler Ungleichheit – und ein Test für unsere Menschlichkeit.
Quellen: CAREOxfamZDF