Kontaktgebühr beim Arztbesuch: Ein weiterer Schritt weg vom Sozialstaat

29 Dezember, 2025
Hinweis: Dieser Beitrag wurde (teilweise) mit Unterstützung von KI erstellt.

Wenn der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, öffentlich fordert, dass Patientinnen und Patienten künftig „drei oder vier Euro“ pro Arztbesuch zahlen sollen, klingt das zunächst nach einer kleinen Summe. Ein symbolischer Beitrag, angeblich notwendig, um die Krankenkassen zu entlasten. Doch hinter dieser Forderung steckt mehr als ein paar Euro – sie steht für eine politische Weichenstellung, die das deutsche Gesundheitssystem grundlegend verändern würde.

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/praxisgebuehr-kassenaerztliche-vereinigung-100.html

Ein System am Limit – aber auf dem Rücken der Falschen

Ja, die gesetzlichen Krankenkassen stehen finanziell unter Druck. Ja, die Kosten steigen. Aber die Frage ist: Wer soll diese Last tragen?

Schon heute steuern wir bei den Sozialversicherungsbeiträgen auf die 50‑Prozent‑Marke des Bruttolohns zu. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen also bereits enorme Summen in das System ein – Monat für Monat, ein Leben lang. Wenn dann zusätzlich bei jedem Arztbesuch eine Gebühr fällig wird, ist das nichts anderes als eine verdeckte Beitragserhöhung, nur eben ohne die politische Ehrlichkeit, sie so zu nennen.

Kontaktgebühr = weniger Arztbesuche = höhere Folgekosten

Befürworter solcher Gebühren argumentieren gern, sie würden „unnötige Arztbesuche“ verhindern. Doch die Realität sieht anders aus:

  • Menschen mit geringem Einkommen gehen seltener zur Vorsorge, wenn Gebühren anfallen.
  • Krankheiten werden dadurch später erkannt, oft erst, wenn sie bereits komplizierter und teurer zu behandeln sind.
  • Prävention wird geschwächt – ausgerechnet der Bereich, der langfristig Kosten spart und Leben rettet.

Eine Kontaktgebühr mag kurzfristig ein paar Millionen in die Kassen spülen. Langfristig aber führt sie zu höheren Ausgaben, mehr Leid und im schlimmsten Fall zu vermeidbaren Todesfällen.

Ein Rückschritt in Richtung Zwei‑Klassen‑Medizin

Die Idee, Patientinnen und Patienten stärker zur Kasse zu bitten, ist kein isolierter Vorschlag. Auch Krankenhäuser fordern inzwischen höhere Eigenbeteiligungen. Das Muster ist klar:
Die finanzielle Verantwortung wird zunehmend vom Solidarsystem auf den Einzelnen verschoben.

Das ist eine Abkehr vom Grundgedanken des Sozialstaats:
Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängen.

Wenn Menschen sich überlegen müssen, ob sie sich einen Arztbesuch „leisten können“, dann haben wir die Schwelle zur Zwei‑Klassen‑Medizin längst überschritten.

Wer wirklich entlastet werden müsste

Statt Patientinnen und Patienten zu belasten, müsste die Politik sich fragen:

  • Warum werden milliardenschwere Steuerzuschüsse zweckentfremdet?
  • Warum werden strukturelle Probleme – Bürokratie, Fehlanreize, Unterfinanzierung – nicht angegangen?
  • Warum profitieren manche Akteure im System überproportional, während die Beitragszahler immer mehr zahlen sollen?

Eine Kontaktgebühr löst keines dieser Probleme. Sie ist ein Symptom politischer Mutlosigkeit, nicht die Lösung.

Fazit: Gesundheit ist keine Ware

Ein solidarisches Gesundheitssystem lebt davon, dass alle einzahlen – und alle Zugang haben. Eine Kontaktgebühr mag klein wirken, aber sie ist ein gefährlicher Dammbruch. Wenn wir anfangen, Arztbesuche zu bepreisen, öffnen wir die Tür für weitere Belastungen, weitere Hürden und weitere Ungleichheit.

Gesundheit ist ein Grundrecht.
Und ein Sozialstaat, der diesen Namen verdient, darf nicht zulassen, dass Menschen aus Kostengründen auf medizinische Versorgung verzichten.

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